Verfasst von: BScheffler | August 23, 2017

Branding Bridging Building. Telling and selling the space story.

Aslak Sira Myhre, Direktor der Norwegische Nationalbibliothek, eröffnet die Reihe der Kurzvorträge mit einem Überblick über die veränderten Anforderungen an öffentliche Bibliotheken und die Impulse, die diese daraus empfangen (können). Er bezieht sich dabei natürlich besonders auf Norwegen, aber seine Rückschlüsse sind durchaus übertragbar. Nicht nur dort, sondern überall im öffentlichen Raum verschwinden Orte, an denen die Menschen bisher im Alltag zusammenkamen. Der Lebensmittelladen schließt, die Post macht zu, die Bankfiliale wird 10 km weiter stadteinwärts verlagert, Organisationen wie die Gewerkschaft oder die Freiwillige Feuerwehr geben ihre Büros oder Niederlassungen auf. Doch Menschen brauchen Begegnung, und wenn die gewohnten Plätze verschwinden, dann suchen sie sich neue. Und hier kommen die Bibliotheken ins Spiel – oder können ins Spiel kommen, wenn sie diese neue Rolle annehmen: als Treffpunkte, als Arena für selbstbestimmte Aktivitäten der ‚community‘. Dabei geht es erstmal nicht um große Events, sondern um das gemeinschaftliche Erleben im öffentlichen Raum, also um die zwischenmenschlichen Kontakte (neudeutsch „community feeling“ genannt), die früher im Supermarkt, beim Bäcker oder in der Post stattgefunden haben. Wirkliche, echte zwischenmenschliche Begegnungen können nicht digitalisiert werden.

Myhre betont, dass es wichtig sei, nicht alles in der Bibliothek zu verändern. Leute kommen zu Orten, die ein Herz haben, die eine Kernaufgabe wahrnehmen. Sie kommen immer noch wegen der Medien, und, ja, auch wegen der Bücher in die Bibliothek – aber eben nicht nur deswegen. Bibliotheken werden als kulturelle Institutionen weiterentwickelt: mit Veranstaltungen, Debatten, Events, mit Angeboten und Services, die Bürger im Alltag unterstützen. Entscheidend ist, die Bibliotheken so zu gestalten, dass dort auch Raum für Leben ist. Das bedeutet, auch Lärm zuzulassen und dort z.B. Cafés und Restaurants einzurichten, mit externen Partnern zu kooperieren, sich zu öffnen.

Die diesem Eingangsvortrag folgenden Kurzberichte aus Finland, China, Australien, Russland und anderen Ländern bestätigen diese Wahrnehmung: überall veränderte Nutzerbedürfnisse, überall veränderte Bibliotheken. Und diejenigen, die ihren Besuchern entgegen kommen, die sich öffnen und Partizipation zulassen können, florieren. Egal, ob es die Mega-Bibliothek mit 10.000enden von Quadratmetern in Brisbane, Australien, ist, oder die Mini-Bibliothek in Russland, die irgendwo auf dem platten Land am Rand einer matschigen Dorfstraße aus ihren 140 m2 das Beste macht. Diese kleine Bibliothek hat jetzt statt 5-7 Besuchern am Tag 100 Besucher täglich – rechnen Sie das mal auf Ihre Bibliothek um, und überlegen Sie, was Sie und Ihr Team für solch eine Entwicklung verändern müssten!

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